Chinook – Kiefernharz und Grapefruit aus dem Yakima Valley

Chinook ist eine amerikanische Hopfensorte, die 1985 eingeführt wurde und sich durch ein unverwechselbares Aroma von Kiefernharz in Kombination mit reifer Grapefruit auszeichnet. Sie ist die Grundlage für amerikanische IPAs und viele klassische Bitterbiere.

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1991 öffnete ein junger Brauer in einem kleinen Pub in Portland, Oregon, ein Fass Hopfen, das gerade aus dem Yakima Valley eingetroffen war. Der Duft von Kiefernharz erfüllte den Raum – nicht das zarte, blumige Aroma europäischer Hopfensorten, das er gewohnt war. Es war Chinook, eine erst sechs Jahre alte Hopfensorte, die im Stillen die amerikanische Bierkultur revolutionierte.

Drei Jahrzehnte später ist Chinook immer noch da. Nicht mehr so schillernd wie die späteren Generationen von Citra oder Mosaic. Aber verschwunden ist er auch nicht. Er ist zum Rückgrat geworden – der Hopfen, auf den viele Brauer zurückgreifen, wenn sie eine solide Bitterkeit und eine tiefe, reichhaltige Basis benötigen.

Ursprung und Geschichte

Chinook wurde 1985 an einer Forschungsstation des US-Landwirtschaftsministeriums in Prosser, Washington – im Herzen des Yakima Valley – gegründet. Dies ist das größte Hopfenanbaugebiet der Vereinigten Staaten, wo das halbtrockene Klima und der vulkanische Boden ideale Bedingungen für den Hopfenanbau bieten.

Der Mann hinter dieser Hopfensorte ist Dr. St. Kenny mit seinem Forschungsteam am USDA-ARS. Sie kreuzten die englische Hopfensorte Chinook aus Petham Golding mit einem männlichen USDA-Hybriden mit der Bezeichnung 63012M. Das Ziel war klar: eine Hopfensorte mit hohem Alpha-Säuregehalt, guter Krankheitsresistenz und Eignung für die Anbaubedingungen im pazifischen Nordwesten zu entwickeln.

Der Name “Chinook” stammt von dem indigenen Stamm, der am Columbia River an der Grenze zwischen Washington und Oregon lebte. Er bezeichnet auch den warmen Wind, der von den Rocky Mountains herabweht – den Wind, der Schnee schmilzt und den Frühling ankündigt. Der Name trägt die Seele des Landes in sich.

Bei seiner Markteinführung galt Chinook als herb-bitterer Hopfen. Hoher Alpha-Säuregehalt, günstiger Preis und gleichbleibende Ausbeute – Faktoren, die von Industriebrauereien geschätzt wurden. Doch die Craft-Beer-Welle der 1990er-Jahre veränderte die Sichtweise. Brauer begannen, Chinook in späteren Brauphasen – als späte Zugabe und beim Kalthopfen – einzusetzen und entdeckten die komplexen Aromen, die sich unter seiner scheinbar “nur bitteren” Oberfläche verbargen.

Sierra Nevada, eine der Pionierinnen der amerikanischen Craft-Beer-Szene, verwendete Chinook in ihrem Torpedo Extra IPA. Deschutes Brewery setzte ihn in ihrem Fresh Squeezed IPA ein. Diese Namen trugen dazu bei, dass Chinook seine Nebenrolle hinter sich ließ und zu einer der beliebtesten Hopfensorten der amerikanischen IPA-Bewegung wurde.

Chinook-Abschnitt, Bild 1 – Chinook – Kiefernharz und Grapefruit aus dem Yakima Valley
Yakima Valley, Washington – das größte Hopfenanbaugebiet in den Vereinigten Staaten und Heimat der Chinook-Sorte.

Technische Spezifikationen

Chinook gehört zur Gruppe der Hopfensorten mit hohem Alpha-Säuregehalt. Dieser liegt zwischen 12 und 14 Prozent, wobei je nach Jahrgangsbedingungen auch bis zu 15 Prozent erreicht werden können. Der Beta-Säuregehalt beträgt 3 bis 4 Prozent, was ein Alpha-Beta-Verhältnis von etwa 3,5:1 ergibt – charakteristisch für Bitterhopfen.

Der Gesamtgehalt an ätherischen Ölen liegt zwischen 1,5 und 2,5 ml pro 100 Gramm getrocknetem Hopfen. Myrcen ist mit 35 bis 45 Prozent der Hauptbestandteil und verleiht dem Bier seine charakteristischen harzigen und kräuterartigen Noten. Humulen folgt mit 18 bis 25 Prozent und trägt zu den holzigen und erdigen Untertönen bei. Caryophyllen macht etwa 9 bis 11 Prozent aus.

Die Chinook-Hopfenernte im Yakima Valley findet üblicherweise zwischen Ende August und Mitte September statt. In dieser Zeit herrscht Hochbetrieb auf den Hopfenfeldern – die sechs bis sieben Meter hohen Triebe werden geschnitten und in die Doldentrennmaschinen gegeben. Chinook liefert einen ordentlichen Ertrag von etwa 1.500 bis 2.000 Pfund pro Acre, weniger als manche andere kommerzielle Sorten, aber konstant über die Jahre.

Aroma und Geschmack

Brechen Sie eine frische Chinook-Zigarre zwischen zwei Fingern ab. Als Erstes steigt Ihnen der Duft von Kiefernharz in die Nase – der Duft eines Nadelwaldes nach einem Regenguss, von frisch geschnittenem Holz. Nicht der sanfte Duft von Duftkerzen, sondern der unverfälschte Duft von Kiefernholz, mit seiner Schärfe und Tiefe.

Unter der Schicht aus Kiefernharz verbirgt sich eine Grapefruit. Keine süße, sondern eine perfekt reife, deren weiße Schale noch leicht bitter ist. Manche nennen es Grapefruitmark – den subtilen, herben Geschmack, der nach dem Essen noch eine Weile anhält. Genau das unterscheidet Chinook von reineren Zitrussorten wie Citra oder Amarillo.

Wer genau hinhört, entdeckt im Hintergrund auch eine Kräuternote – einen Hauch Moschus, etwas getrockneten Thymian. Erfahrene Brauer beschreiben den Duft von Chinook oft als “dank” – ein englischer Begriff, der einen kräftigen, leicht feuchten Geruch beschreibt, der an Wälder und Wildpflanzen erinnert. Nicht jeder mag diesen Duft, aber wer ihn mag, ist begeistert.

Am Gaumen bietet Chinook eine klare, aber anhaltende Bitterkeit. Sie ist nicht so intensiv bitter wie manche Hopfensorten mit extrem hohem Alpha-Säuregehalt und verfliegt auch nicht schnell. Sie verbleibt leicht adstringierend mit einem harzigen Nachgeschmack auf der Zunge. Es handelt sich um eine gut entwickelte Bitterkeit – beim ersten Schluck nicht wahrnehmbar, aber in der zweiten Hälfte deutlich spürbar.

Der Bierstil, der mit Chinook-Hefe hergestellt wird.

Chinook wurde für Amerikanisches IPA. Der hohe Alpha-Gehalt ermöglicht es Brauern, den erforderlichen IBU-Wert ohne übermäßigen Hopfeneinsatz zu erreichen, was Kosten spart und gleichzeitig die Intensität beibehält. Die Kiefern- und Grapefruitnoten werden zum Markenzeichen der West Coast IPA-Linie – klare, goldene Biere mit ausgeprägter Bitterkeit und einem dominanten Hopfenaroma vom ersten bis zum letzten Schluck.

Chinook wird auch häufig Double IPAs und Imperial IPAs zugesetzt. Bei höheren Alkoholgehalten gleicht die anhaltende Bitterkeit des Chinook den hohen Malzgehalt aus, ohne ihn zu überdecken. Viele Brauer verwenden Chinook als Basis und fügen dann beim Kalthopfen fruchtigere Hopfensorten wie Simcoe oder Centennial hinzu.

American Pale Ale ist eine weitere Option. Mit einer moderateren Hopfengabe bietet Chinook ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Malz und Hopfen, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Klassische Pale Ales aus dem pazifischen Nordwesten weisen oft die typischen Merkmale von Chinook auf – eine moderate Bitterkeit, subtile Kiefernoten und einen trockenen Abgang.

Einige Brauer experimentierten mit Chinook in amerikanischem Barleywine und Imperial Stout. Hier spielt Chinook eine andere Rolle – nicht mehr der Star, sondern der Dirigent. Seine harzigen Noten verschmelzen mit dunklem Karamell und Schokolade aus geröstetem Malz und erzeugen so eine unvorhersehbare, vielschichtige Komplexität. Nicht jeder beherrscht diese Kunst, aber wenn es gelingt, ist das Ergebnis unvergesslich.

Vergleiche mit Hopfen derselben Gruppe

Chinook wird oft mit Centennial und Columbus kombiniert – dem klassischen Trio des amerikanischen C-Hop. Alle drei weisen einen hohen Gehalt an Alpha-Säuren auf, besitzen ausgeprägt amerikanische Charakteristika, unterscheiden sich aber im Detail.

Centennial ist milder. Während Chinook an Kiefernharz und bittere Grapefruit erinnert, tendiert Centennial eher zu blumigen und zitrusartigen Noten. Er wird auch “Super Cascade” genannt, weil er Cascade ähnelt, aber kräftiger ist. Die Bitterkeit von Centennial ist zudem weicher und weniger viskos. In einer Charge steht Centennial meist an zweiter Stelle – er verleiht Tiefe, ohne zu dominieren.

Columbus (auch bekannt als Tomahawk oder Zeus – Teil des CTZ-Trios) ist das genaue Gegenteil von Chinook, sogar noch intensiver. Der Alpha-Säuregehalt kann 17 Prozent oder mehr erreichen. Das Aroma von Columbus ist stark erdig und von dunklen Kräutern geprägt, mit weniger Fruchtnoten. Viele Brauer verwenden Columbus wegen seiner Grundbitterkeit, da es “neutraler” ist – es hinterlässt keinen so starken Aromaeindruck.

Simcoe ist eng mit Chinook verwandt, obwohl es fast zwei Jahrzehnte später auf den Markt kam. Beide weisen Noten von Kiefernharz und Nüssen auf, doch Simcoe bietet zusätzlich Beeren- und Melonenaromen, die Chinook fehlen. Viele moderne IPA-Rezepte kombinieren Chinook mit Simcoe, um die Essenz beider Welten einzufangen.

Chinook-Abschnitt, Bild 2 – Chinook – Kiefernharz und Grapefruit aus dem Yakima Valley
West Coast IPA verwendet Chinook-Trauben, um eine klare Bitterkeit sowie charakteristische Noten von Kiefernharz und Grapefruit zu erzielen.

Woran man erkennt, wann man es genießt

Wenn Sie ein West Coast IPA in der Hand halten und wissen möchten, ob es mit Chinook-Holz gebraut ist, beginnen Sie mit der Nase. Heben Sie das Glas an und riechen Sie kurz daran. Wenn Sie eine deutliche Kiefernharznote wahrnehmen – keine milde, sondern eine kräftige, leicht “erdige” Kiefer –, ist das ein erstes Anzeichen. Chinook-Holz ist unverkennbar.

Achten Sie beim ersten Schluck auf die Bitterkeit. Chinook lässt die Bitterkeit sich allmählich aufbauen. Beim ersten Schluck ist sie kaum wahrnehmbar, beim zweiten aber deutlich spürbar, und beim dritten bleibt sie deutlich im hinteren Zungenbereich haften. Diese Bitterkeit hat ein gewisses Rückgrat – sie verfliegt nicht so schnell wie bei manch neueren Hopfensorten.

Der Nachgeschmack ist der letzte Eindruck, den Chinook hinterlässt. Warten Sie nach dem Schlucken einige Sekunden. Wenn Sie einen leicht säuerlichen Grapefruitgeschmack – ähnlich dem weißen Mark – vermischt mit einem Hauch von Kiefernharz wahrnehmen, dann verabschiedet sich Chinook. Kein tropischer Fruchtnachgeschmack wie bei Citra, kein blumiger wie bei Cascade. Sondern ein Nachgeschmack nach Wald.

Chinook gibt es seit 1985. Er ist nicht neu, nicht mehr im Trend. Aber er ist immer noch da, in diesen IPA-Flaschen, die man immer wieder gerne trinkt. Vielleicht ist das der wahre Maßstab für eine Hopfensorte – nicht der Hype bei der Markteinführung, sondern ihre anhaltende Präsenz nach drei Jahrzehnten.

Wenn Sie das nächste Mal ein Glas Bier in die Hand nehmen und den Duft der Kiefernwälder des Nordwestens wahrnehmen, nehmen Sie sich einen Moment Zeit und nippen Sie langsam daran. Es könnte der Chinook sein, der die Geschichte des Yakima Valley erzählt, von den Menschen, die ihn gezüchtet haben, und von seinem langen Weg von einer bitteren Hopfensorte zu einem festen Bestandteil der amerikanischen Bierkultur.

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