Manche Hopfensorten sind dazu bestimmt, einen starken Eindruck zu hinterlassen. Styrian Goldings gehört nicht zu dieser Gruppe. Er gehört zu jenen Hopfensorten, die einen innehalten, den Kopf schieflegen und sich fragen lassen: Welcher Duft ist da gerade vorbeigezogen?
Ob in einem sorgfältig gebrauten englischen Bitter oder einem milden belgischen Blonde – Styrian Goldings ist nicht aufdringlich. Es flüstert. Der Duft von feuchter Erde nach dem Regen, weißen Blüten im späten Frühling, ein Hauch von Heu und klassischen Gewürzen. Es ist das Aroma, auf das europäische Brauer seit Jahrzehnten vertrauen und das Bierliebhaber immer wieder suchen.
Ursprung und Geschichte
Die Geschichte von Styrian Goldings beginnt nicht in Slowenien, sondern in England. Die ursprüngliche Hopfensorte war Fuggle – eine der ältesten englischen Hopfensorten, die 1861 von Richard Fuggle in Kent entdeckt wurde.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde die englische Hopfenindustrie von einer verheerenden Verticillium-Welke-Epidemie heimgesucht. Viele Anbauer suchten nach Alternativen. Die Hopfensorte Fuggle gelangte um 1876 in die Steiermark – damals Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie, heute Slowenien.
Das steirische Land veränderte alles. Das feuchte Kontinentalklima, die sanften Hügel und der mineralreiche Boden brachten eine völlig andere Rasse hervor. Durch Generationen natürlicher Selektion und angepasster Landwirtschaft entwickelten sich die englischen Fuggle allmählich zu den steirischen Goldings – ein neuer Name, um sie von ihren Verwandten jenseits der Meerenge zu unterscheiden.
Das Hauptanbaugebiet konzentriert sich um Žalec, eine kleine Stadt im Savinja-Tal. Die Slowenen nennen es das “goldgrüne Tal” – in Anlehnung an die Farbe der Hopfenreben, die sich über die Hügel erstrecken. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Sorte „Steirischer Goldings“ Sloweniens wichtigste Exporthopfensorte und macht den Großteil der nationalen Produktion aus.
Es ist wichtig zu wissen, dass die Steirischen Goldings trotz ihres Namens “Goldings” nicht mit der ostkentischen Familie Goldings aus England verwandt sind. Der Name wurde später gewählt, möglicherweise aus kommerziellen Gründen – um die hohe Qualität der britischen Goldings-Linie hervorzuheben. Wissenschaftlich gesehen sind sie jedoch direkte Nachkommen von Fuggle.

Heute bewirtschaftet Slowenien rund 1.500 Hektar Hopfenplantagen, wobei die Sorte „Steirischer Golding“ einen bedeutenden Anteil ausmacht. Das Slowenische Institut für Hopfenforschung und Brauwesen in Žalec entwickelt weiterhin Untersorten wie „Steirischer Aurora“, „Steirischer Bobek“ und „Steirischer Wolf“ – die alle die charakteristischen Merkmale der ursprünglichen Sorte beibehalten.
Technische Spezifikationen
Styrian Goldings gehört zur Gruppe der klassischen aromatischen Hopfensorten mit einem moderaten Alpha-Säuregehalt zwischen 4,51 TP3T und 61 TP3T. Der Beta-Säuregehalt liegt im Bereich von 2,51 TP3T bis 3,51 TP3T, wodurch ein ausgewogenes Alpha-Beta-Verhältnis entsteht – charakteristisch für traditionelle europäische Hopfensorten, die eher wegen ihres Aromas als wegen ihrer Bitterkeit bevorzugt werden.
Der Gesamtölgehalt ist moderat und liegt bei etwa 0,5 bis 1,0 ml/100 g. Farnesen ist davon in ungewöhnlich hohen Mengen – zwischen 15 und 20 Einheiten – enthalten und für das charakteristische Kräuter- und Blütenaroma verantwortlich. Der Humulengehalt schwankt um 25–30 Einheiten, während Myrcen mit etwa 20–25 Einheiten nur in geringer Menge vorhanden ist.
Die Hopfenernte in Slowenien findet üblicherweise zwischen Ende August und Mitte September statt. Die Luftfeuchtigkeit und Temperatur in der Steiermark bieten in diesem Zeitraum ideale Bedingungen für die Entwicklung des vollen Aromaprofils des Hopfens.
Aroma und Geschmack
Hält man eine Handvoll Styrian Goldings an die Nase, nimmt man als Erstes den Duft von Erde wahr. Nicht trockene, karge Erde, sondern Waldboden nach einem Regenguss – feucht, tiefgründig und leicht süßlich. Dies ist die Grundlage des gesamten Duftprofils.
Die zweite Duftschicht ist blumig. Kleine weiße Blüten – wie Jasmin, Gänseblümchen oder Holunderblüten. Nicht so intensiv wie Rosen oder Lavendel, sondern zarter, dezenter. Wie ein Spaziergang durch einen Garten am frühen Morgen, bei dem man einen Duft wahrnimmt, der noch im Tau liegt.
Die Gewürze entfalten sich in tieferen Schichten. Ein Hauch von weißem Pfeffer, sehr subtil. Manchmal Nelke, aber schwächer, eher eine Erinnerung als eine deutliche Präsenz. Manche Brauer fügen je nach Jahreszeit und Anbaubedingungen Noten von getrockneten Kräutern hinzu – Thymian, Salbei oder Oregano.
In Kombination mit Bier hinterlässt Styrian Goldings weder eine zitrusartige Note wie amerikanische Hopfensorten noch den scharfen Kräutergeschmack deutscher Edelhopfen. Stattdessen bildet er eine sanfte, aromatische Basis, die anderen Zutaten optimale Entfaltung verleiht. Der Nachgeschmack ist typischerweise erdig und blumig und klingt genau richtig aus – nicht zu intensiv, aber einprägsam.
Steirischer Goldings besitzt eine gewisse “rustikale” Qualität, die bei modernen Hopfensorten schwer zu finden ist. Er erinnert an ländliche europäische Küchen, wo getrocknete Kräuter von den Dachbalken hängen und der Duft von Gartenerde durch offene Fenster hereinströmt.
Bierstil mit steirischen Goldringen
Steirisches Goldings ist eine klassische Wahl für die Haarpflege. Europäisches Leichtbier, Besonders bei English Bitter und English Pale Ale. Für Bierstile, die subtile Hopfennoten und keinen dominanten Malzgeschmack erfordern, liefert Styrian Goldings genau die richtige Menge an Kräuter- und Blütenaromen. Viele britische Brauereien verwenden ihn als Hopfen-Finishing-Mittel – er wird am Ende des Brauprozesses hinzugefügt, um flüchtige Aromen zu erhalten.
Linien Belgisches Bier Diese Hopfensorte ist ebenfalls beliebt. Belgisches Blondes, Belgisches Pale Ale und sogar einige traditionelle Saisons verwenden Styrian Goldings, um dem Bier aromatische Tiefe zu verleihen, ohne die charakteristischen Ester- und Phenolnoten der belgischen Hefe zu überdecken. Das erdige und würzige Profil des Hopfens harmoniert perfekt mit den würzigen und fruchtigen Noten der belgischen Hefe.
Englisches ESB (Extra Special Bitter) ist ein weiterer Bierstil, bei dem Styrian Goldings seine Stärken ausspielt. Hier verbindet sich die moderate Bitterkeit des Hopfens mit Karamellmalz- und Keksnoten zu einem ausgewogenen Bier, das sich auch in größeren Mengen gut trinken lässt, ohne dabei zu süß zu sein.
Einige moderne Craft-Brauer experimentieren mit Steirischen Goldlingen in tschechischen oder deutschen Lagerbieren als interessante Alternative zu Saazer oder Hallertauer Bieren. Das Ergebnis ist oft ein Pils mit ausgeprägtem Charakter – immer noch klar und frisch, aber mit einer zusätzlichen Erdigkeit und wärmeren Kräuternoten.
Vergleiche mit Hopfen derselben Gruppe
Fuggle (UK) Fuggle, ein naher Verwandter, teilt viele Eigenschaften mit Styrian Goldings, ist aber tendenziell grüner und weist ausgeprägtere frische Gras- und Holznoten auf. Fuggle besitzt zudem oft eine minzige Note, die Styrian Goldings fehlt. Im direkten Vergleich ist Styrian Goldings weicher und erdiger, während Fuggle frischer und lebendiger kräuterig duftet.
East Kent Goldings (UK) Trotz des gleichen Namens handelt es sich um eine völlig andere Hopfensorte. EKG zeichnet sich durch ein Aroma von honigsüßen Blüten, leichten Zitrusnoten und subtilen, aristokratischen englischen Gewürzen aus. Wenn Styrian Goldings ein ländliches Tal ist, dann ist East Kent Goldings ein sorgfältig gepflegter Villengarten.
Steirisches Nordlicht Aurora ist eine Hybrid-Sorte, entstanden aus der Kreuzung von Styrian Goldings und Northern Brewer. Sie zeichnet sich durch einen höheren Alpha-Säuregehalt (7-9%) aus und enthält zusätzliche Zitrusnoten und Harze, die in der ursprünglichen Sorte nicht vorkommen. Diese Sorte ist die ideale Wahl für Brauer, die die charakteristischen Merkmale von Styrian Goldings beibehalten, aber gleichzeitig mehr Bitterkeit und ein moderneres Geschmacksprofil wünschen.

Woran man erkennt, wann man es genießt
Wenn Sie ein Glas Styrian Goldings in der Hand halten, riechen Sie daran, bevor Sie trinken. Achten Sie auf die Basisnote – nicht auf das, was sofort ins Auge springt, sondern auf die, die darunter liegt. Erde. Getrocknete Blüten. Vielleicht ein Hauch von warmen Gewürzen.
Achten Sie beim ersten Schluck auf die Bitterkeit. Sie ist mild, rund und nicht herb. Die Bitterkeit des Styrian Goldings verfliegt schnell und macht Platz für Malz und andere Aromen. Dieser Hopfen weiß sich zurückzunehmen.
Der Nachgeschmack ist das, was Styrian Goldings am deutlichsten prägt. Ein leicht trockener, erdiger Eindruck bleibt nach dem Schlucken einige Sekunden lang bestehen. Wenn Sie im Abgang einen Hauch von Rustikalität wahrnehmen können – wie den Geruch von Heu in einer Scheune oder die Erde in einem Gemüsegarten – dann haben Sie es richtig eingeschätzt.
Steirischer Goldings lehrte uns, dass Hopfen nicht lautstark angepriesen werden muss, um wahrgenommen zu werden. Manchmal entstehen die intensivsten Aromen durch Geduld – die des Anbauers, des Brauers und desjenigen, der die Tasse langsam an die Lippen führt.

