In diesem Jahr, mitten an einem kalten Januartag, schlenderte ich in eine kleine Bar in der Rue Laurier in Montreal. Die Bar hatte nichts Besonderes an sich: schwaches gelbes Licht, Jazzmusik, die von der alten Decke zu rieseln schien, und einen grauhaarigen Barkeeper, der nicht viel redete. Ich fragte nur: „Gibt es etwas, das Sie an jemanden erinnert, den Sie einmal geliebt haben?“
Er antwortete nicht. Er stellte mir lediglich ein Glas dunkles Bier hin, dessen Schaum weiß wie Samt war.
"Aphrodisiakum" er sagte „Seien Sie vorsichtig, es ist leicht, den Leuten Erinnerungen einzubläuen.“
Und es stimmte. Vom ersten Schluck an konnte ich mich nicht mehr an die Straße erinnern, von der ich gekommen war. Nur der leichte Kakaoduft vermischte sich mit Vanille, die bitteren und süßen Aromen verflochten sich wie eine Liebesgeschichte, die noch nicht zu Ende war. Ich trank kein Bier. Ich trank eine Erinnerung, die ich nie erlebt hatte.
1. Die leidenschaftliche Reise von Ciel!
Die Geschichte von Brasserie Dieu du Ciel! Es begann 1991 nicht mit einer schicken Fabrik oder einem Millionenbudget, sondern mit einem leidenschaftlichen Herzen und einer kleinen Küche. Jean-François Gravel – damals Biologiestudent und Hobbybrauer – begann zusammen mit zwei Freunden, Stéphane Ostiguy und einer dritten Person, diese leidenschaftliche Reise. Sie folgten keinem klassischen Rezept. Sie experimentierten, erfanden Neuerungen und probierten jeden Tropfen Bier wie Menschen, die in einer regnerischen Nacht Gedichte rezitieren.
Bis 1998eröffneten sie offiziell ihr erstes Brauhaus in Montreal – wo alles klar wurde. Die Bar ist klein, doch im Inneren verbirgt sich eine ganze Welt der Gärung: der Duft von Röstmalz, das Aroma von Hopfen, Lachen vermischt mit Live-Musik. Auch Aphrodisiaque wurde an diesem Ort geboren, zunächst als kleines Experiment, entwickelte sich aber allmählich zu einem Wind, der alle Klischees über traditionelle Stouts hinwegfegte.

Von 2000 bis 2006Die Brasserie Dieu du Ciel! erweiterte ihre Produktionsstätte – die Microbrasserie Dieu du Ciel Inc. in Saint-Jérôme –, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden. Neben der Flaschenabfüllung entwickelte sie auch eine Dosenbierlinie und brachte die Marke so über die Grenzen Quebecs hinaus. Bis 2017 wurde das Gründungsteam um Isabelle Charbonneau und Etienne Tremblay erweitert, die den Pioniergeist der ursprünglichen Gruppe fortführten.
Erfolg ist kein Zufall. Er beruht auf kreativem Wagemut, Respekt vor den Zutaten und dem Glauben, dass Bier Kunst, Emotion und eine Sprache ohne Worte sein kann. Aphrodisiaque – jetzt Aphrodite – ist das Ergebnis dieser Reise: ein Bier, das mit seinen Aromen Geschichten erzählt und mit seiner Flüssigkeit, die wie die Nacht fließt, Erinnerungen bewahrt.
2. Geschmack: Wenn Vanille flüstert und Kakao sanft den Weg weist
Aphrodite ist eine typische Vertreterin dieser Linie. Amerikanisches Stout, tragen Alkoholkonzentration 6,5% Alkoholgehalt – nicht so stark, dass es schwindelig macht, aber tief genug, um den Trinker in eine reiche, ruhige und verführerische Welt zu entführen. Für Stout-Kenner ist dies nicht nur ein Glas Bier, sondern ein wahres Geschmacksepos.
Sobald die Nase das Glas berührt, steigt der Duft von Bio-Vanille wie Weihrauch auf und umschmeichelt sanft die Sinne. Die Vanille sorgt hier nicht nur für Süße, sondern wie eine weiche Samtschicht, die den Weg für den reichhaltigen Kakao ebnet, der später zum Vorschein kommt.
Kakao – nicht die industrielle Süße, sondern der Duft gut gerösteter Bohnen, ein wenig Rauch, etwas feuchte Erde nach dem Regen und eine subtile Herbheit wie das Fleisch eines Liebhabers nach einem entspannten Nachmittag. Sie akzentuiert jeden Schluck Bier, sodass der Trinkende es nicht schnell schluckt, sondern genießt und es lange behält, als würde er ein Geheimnis auf der Zunge behalten.

- Dunkle Schokolade: Der Hauptgeschmack ist reichhaltig, tief und anhaltend wie der Nachgeschmack eines Jazzstücks.
- Leichter Bourbon: Wie die Schritte eines Fremden, der durch einen Traum geht und ein bisschen Wärme, ein bisschen Hefe hinterlässt.
- Geröstetes Malz: Erzeugt Tiefe und bildet eine Basis, auf der der Kakaogeschmack hervorsticht.
- Leicht hopfig: Nur ein flüchtiger Blick, wie das Ende einer unerzählten Geschichte.
Mittelkräftig, mäßig kohlensäurehaltig und überraschend mild. Das Gefühl einer dünnen Seidenschicht auf der Zungenspitze, jede Geschmackszelle wird langsam geweckt. Dieses Bier lässt den Trinker innehalten, sich entspannen und mitreißen.
3. So genießen Sie: Erheben Sie Ihr Glas, als würden Sie ein schwaches Herz erheben
Trinken Sie Aphrodite nicht, als würden Sie betrunken. Behandeln Sie es wie ein altes Liebeslied, das Raum, Zeit und ein offenes Herz braucht.
Lassen dünnes Glas Leicht gekühlt, sodass der Bierdampf so dunstig ist wie ein dünner Nebel an einem Wintermorgen. Langsam einschenken, die Hand vorsichtig anheben und nicht zu schnell einschenken, damit der weiße Schaum wie eine kleine Wolke aufsteigt und an den Glasrand fällt.
Die ideale Temperatur zum Genießen liegt bei ca. 8–12 °C, dann blühen alle Aromen, alle Geschmacksrichtungen der Aphrodite wie Nachtblumen. Nehmen Sie kleine Schlucke, schlucken Sie nicht zu schnell, lassen Sie die Vanille- und Kakaoaromen in Ihrem Mund zergehen und wie eine langsame Melodie durch Ihre Kehle fließen, die durch Ihre Brust strömt.
Und wenn Sie noch einen Schritt weiter gehen möchten, kombinieren Sie es mit Gerichten, die dem Erlebnis Tiefe verleihen:
- Dunkle Schokolade 70–85%: wie zwei alte Freunde, die nach vielen Jahren der Trennung wieder zueinander finden – einander verstehen, sich ergänzen und sich nie gegenseitig verraten.

- Brownies, Schokoladenmousse, Tiramisu: ein Glas Bier in ein emotionales Dessert verwandeln – süß ohne herb zu sein, reichhaltig ohne überwältigend.
- Reifer Camembert oder Cheddar-Käse: um einen angenehmen Kontrast zu schaffen – salzig, fettig und unwiderstehlich reichhaltig.
4. Medaillen sind nur eine Ausrede …
Die Welt kann mit ihren Augen und süßen Worten lieben. Aber für Aphrodite kommt die Liebe von Medaillen, einem stillen Beweis dafür, dass dieser Geschmack nicht nur die Herzen berührt, sondern auch die anspruchsvollsten Richter begeistert.
Der Aphrodisiaque begann in den frühen 2000er Jahren für Furore zu sorgen, mit seinem ersten Sieg Silbermedaille beim Mondial de la Bière Montréal 2003 – eines der prestigeträchtigsten Bier-Events Kanadas. Nicht lange danach, 2006, dieses verführerische Stout bringt wieder einmal Silbermedaille, als klares Zeichen der Experten.
Aber damit ist noch nicht Schluss – 2008, Aphrodisiaque erreichte seinen Höhepunkt mit Goldmedaille Mondial de la BièreIm selben Jahr bei den Independence Awards MBier, dieses Bier wurde ausgezeichnet Grand Gold, ein glorreicher Meilenstein auf dem Weg zur Festigung der internationalen Position der Brasserie Dieu du Ciel!.
5. Bieretikett – Ein Stück Legende
Von Anfang an faszinierte Aphrodisiaque nicht nur durch seinen Geschmack, sondern auch durch sein Aussehen. Das Originaletikett wurde vom Künstler Yannick Brosseau entworfen – ein Miniaturgemälde, auf dem die Liebesgöttin Aphrodite nicht als klassisches Denkmal, sondern als moderne Muse erscheint – geheimnisvoll, bezaubernd und etwas rebellisch. Das Bild eines Mädchens mit halbgeschlossenen Augen und offenem Haar inmitten dunkler Farben lädt den Betrachter ein, in einen Traum aus Schokolade und Vanille einzutauchen.
Die Illustration ist nicht nur schön, sondern auch tiefgründig – als würde jede Zeile eine vergessene Erinnerung erzählen oder ein nie benanntes Gefühl wachrufen. Sie lässt die Menschen anstoßen, aber auch innehalten und genau hinschauen. Vielleicht ist es genau das, was Dieu du Ciel! immer vermitteln möchte: Bier ist nicht nur zum Trinken da – sondern auch zum Fühlen, Sehen und Verstehen.
Im Jahr 2022, als Dieu du Ciel! sein Branding umstrukturierte und sein Design optimierte, wurde auch das Aphrodite-Etikett aktualisiert. Das neue Design war schlichter, moderner und konzentrierte sich auf Identität und den internationalen Markt. Für viele langjährige Bierliebhaber bleibt das alte Etikett jedoch eine Ikone – ein goldenes Zeitalter voller Kunst und Nostalgie.
6. Fazit: Erhebe dein Glas und lass dein Herz zuerst trinken
Die Nacht in Montreal ist nicht mehr zu kalt, nur die Kälte einer namenlosen Nostalgie bleibt. Die kleine Bar ist noch da – die gelben Lichter sind müde, der Jazz schwebt wie Zigarettenrauch, und das letzte Glas ist leer. Das Bier ist alle. Aber die Geschichte ist geblieben.
Aphrodite endete wie ein Liebeslied mit einem langen Ton. Nicht intensiv. Nicht explosiv. Nur leise genug, um das Herz abwesend zu machen. Der Duft von Kakao hängt noch im Glas. Der leichte Vanillegeschmack im Atem. Eine Nacht wie diese, ein Glas wie dieses – um einmal zu verstehen, dass es Gefühle gibt, die keiner Benennung bedürfen, die aber am einprägsamsten sind.
Vor ihm stand niemand. Nur der Holztisch, das Licht, das durch die Glastür fiel, und das Echo eines Flüsterns, das nie ausgesprochen worden war. Aphrodite war nicht nur ein Bier. Es war ein Rendezvous mit sich selbst, an den einsamsten Nachmittagen, mit einer Erinnerung, die es nie gegeben hatte, die aber so klar war wie der Geschmack von Hefe auf der Zungenspitze.

„Ein Glas Bier. Ein Schluchzen. Eine stille Liebe … wie Aphrodite, die durch die Brust fließt und im Herzen verweilt.“


